WGR Reutlingen baut 160 Wohnungen
Baustart für die Matthias-Erzberger-Höfe.
Auf dem früheren Bauhofgelände in Reutlingen entsteht mit den Matthias-Erzberger-Höfen ein neues Quartier, das Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftliche Angebote verbindet. Mit der Grundsteinlegung beginnt die Umsetzung eines Projekts, das dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum schafft und auf eine nachhaltige, zukunftsorientierte Quartiersentwicklung ausgerichtet ist.
Insgesamt entstehen acht Gebäude mit rund 10.500 Quadratmetern Wohnfläche und 158 Wohneinheiten, davon 155 öffentlich gefördert. Ergänzt wird das Quartier durch zwei Gewerbeeinheiten, eine Arztpraxis, flexible – zusätzliche Mieträume mit eigener Nasszelle, die bei Bedarf temporär hinzugebucht werden können – sowie gemeinschaftliche Räume wie einen Waschsalon und einen Quartiersraum. Eine zentrale Quartiersgarage ermöglicht ein weitgehend autofreies Areal und wird durch großzügige Fahrradräume und eine Mobilitätszentrale ergänzt, in der unter anderem Lastenräder ausgeliehen und Fahrräder repariert werden können.
Das Bauvorhaben ist ein Modellprojekt, das serielle Bauweise mit lokalen Gestaltungsanforderungen verbindet. Serielles Bauen bedeutet, dass Bauteile standardisiert geplant und mehrfach eingesetzt werden können. Dadurch entfallen viele zeitintensive Planungsschritte, weil sie bereits vorab entwickelt wurden. In diesem Projekt wurde die serielle Bauweise so weiterentwickelt, dass sie sich an die städtebaulichen und architektonischen Anforderungen des Standorts anpasst. Bauteile wurden gemeinsam mit den Planungs- und Baupartnern optimiert, um wiederholbare, qualitativ hochwertige und ressourcenschonende Lösungen zu schaffen. Die Kombination aus serieller Bauweise und projektbezogener Anpassung verkürzt die Bauzeit erheblich und ermöglicht gleichzeitig eine hohe architektonische Qualität.
Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Quartiers. Extensive Dachbegrünungen, Photovoltaikanlagen, wasserdurchlässige Beläge, ein durchdachtes Regenwasser-management sowie die Wärmeversorgung durch eine Wärmepumpe tragen zu einem stabilen Mikroklima bei. Zwei neue Quartiersplätze öffnen das Areal in den Stadtteil Storlach, schaffen Aufenthaltsqualität und verbinden Bestehendes mit Neuem. Begrünte Wohnhöfe bilden das Herz des Quartiers. Das historische Gebäude Christophstraße 11 bleibt erhalten und wird künftig als Stadtteilcafé genutzt.
Das Mobilitäts- und Freiraumkonzept greift zentrale Elemente zukunftsfähiger urbaner Quartiere auf: autofreie Bereiche, kurze Wege, eine starke Fahrradinfrastruktur, gemeinschaftliche Räume und flexible Nutzungsangebote. Diese Struktur fördert nachbarschaftliches Miteinander und reduziert verkehrliche Belastungen. Bauherr ist erstmals die WGR – Wohnungsgenossenschaft Reutlingen eG. Oberbürgermeister Thomas Keck betont die Bedeutung dieses Schritts: „Die Matthias-Erzberger-Höfe stehen für ein Versprechen, das unsere Stadt seit 1892 begleitet: Wohnen bezahlbar, sicher und sozial verantwortungsvoll zu gestalten. Dass die Wohnungsgenossenschaft Reutlingen wieder baut, ist ein starkes Zeichen für Mitbestimmung, gelebte Verantwortung und eine Stadtentwicklung, die von Vertrauen und Zusammenarbeit getragen ist.“
Auch die GWG Reutlingen hebt die besondere Dynamik des Projekts hervor. Von der Grundsatzentscheidung des Gemeinderats bis zur Grundsteinlegung vergingen nur eineinhalb Jahre – ein außergewöhnlich kurzer Zeitraum für ein Projekt dieser Größenordnung. GWG-Geschäftsführer Lars Grüttner erklärt: „Eineinhalb Jahre vom politischen Beschluss bis zum Baubeginn – das gelingt nur, wenn alle Beteiligten mit Entschlossenheit, Vertrauen und einem gemeinsamen Willen an einem Strang ziehen.“
Die Matthias Erzberger Höfe sind Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) und werden damit überregional als Beispiel für innovativen, sozial verantwortlichen und zukunftsfähigen Wohnungsbau wahrgenommen. Die IBA’27 ist ein international beachtetes Ausstellungs- und Entwicklungsformat, das beispielhafte Projekte für die Stadt von morgen sichtbar macht. Die Fertigstellung des Quartiers ist für das Jahr 2028 vorgesehen; im Anschluss gehen die Wohneinheiten in die Vermietung.
BU: Gemeinsam den Grundstein gelegt: IBA’27-Intendant Andreas Hofer, vbw-Verbandsdirektorin Dr. Iris Beuerle, die GWG-Geschäftsführer Lars Grüttner und Heiko Kasten, Erster Bürgermeister Robert Hahn, Oberbürgermeister Thomas Keck sowie Baubürgermeisterin Angela Weiskopf (v. l. n. r.) beim offiziellen Start des Bauprojekts.

