Klimagipfel der Wohnungswirtschaft 2026 - Rückblick
Der Klimagipfel hat zwei Kongresstage mit dicht gepackter Information geboten. Energiethemen standen dabei im Vordergrund. Das Publikum konnte vielerlei Hinweise, Tipps und Erfahrungsberichte rund um die Stromnutzung, Mieterstrom, Effizienzpotenziale im Heizungskeller und Modulwärmepumpen sowie zu kalten Nahwärmenetzen mitnehmen. Vor Ort waren sogar zwei Modul-Wärmepumpen zu besichtigen. Ein Referent brachte es so auf den Punkt: „Die Wohnungswirtschaft prägt das Gesicht der Städte. Nun steht sie vor der Aufgabe, auch deren Energiezukunft mitzugestalten“.
Vor voller Halle im Bodenseeforum in Konstanz begann der erste Tag mit einem Vortrag von Dr. Hans-Joachim Rosner von der Universität Tübingen. Sein Fokus: Klima, Klimawandel, Stadtklima und Mitigation, also mögliche Anpassungsstrategien. Dr. Rosner zeigte: Der Klimawandel ist da. In Deutschland ist der Erwärmungstrend sogar stärker als weltweit, auch in den Städten besonders spürbar. Das machte er mit wissenschaftlichen Kennwerten deutlich. Für die Wohnungswirtschaft und Kommunen sieht er folgende Anpassungsmöglichkeiten, die immer wichtiger werden: Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung, helle Dächer und Wände, Holz statt Beton, Nah-Wärme-Konzepte und Wärmepumpeneinsatz bis hin zur Brauchwasser-Speicher-Konzepten.
Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus von der EBZ Business School beleuchtete die Stromnutzung in Wohngebäuden. Sein Plädoyer: Die Wohnungswirtschaft sollte sich dringend um die Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen kümmern, um die Daten rund um Energieverbräuche, um die Anbindung von Wärmepumpen sowie die Strompreise, denn in diesem Bereich wird sich künftig viel tun. „Machen, nicht am Alten festhalten, sondern neue Technologien einsetzen“, riet er fordernd.
Anlagentechnik und Modul-Wärmepumpen
Erfahrungsberichte über die Digitalisierung im Heizungskeller und eine Marktübersicht über Modul-Wärmepumpen für Mehrfamilienhäuser bildeten den zweiten Vortragsteil des Tages. Birgid Eberhardt von der GSW Sigmaringen sprach über Effizienzpotenziale bei der Anlagentechnik. Die GSW hat angefangen, ihre Heizungskeller zu digitalisieren und damit die Anlagen und Mieterverbräuche systemisch zu erfassen und nachzusteuern. Dies ist ein wichtiger Schritt auf dem Klimapfad und die Basis für die strukturierte Umsetzung weiterer Maßnahmen.
Einen umfassenden Überblick über derzeit am Markt befindliche Modul-Wärmepumpen und deren Vorteile zeigten Sören Gruhl und Jörn Hendrich vom VdW Bayern auf: beispielsweise frühe Kostensicherheit für den Wärmeerzeuger, klare Verantwortlichkeiten zwischen Modulanbieter und Installateur sowie die Serienfertigung statt einer Einzelfall-Systemplanung. Sie zeigten in zwei Varianten auf, wie ein Mehrfamilienhaus auf eine Wärmepumpe vorbereitet werden kann und stellten dann mehr als 15 Anbieter vor.
Best Practice zur Klimaneutralität und Mieterstrom
Positive Nachrichten brachte Felix Lüter von der Initiative Wohnen.20250 für den ersten Vortrag des zweiten Kongresstages mit. Im vergangenen Jahr lag der Anteil des Solarstroms an der weltweiten Stromerzeugung erstmals über dem Atomstrom, die Kosten für Batteriespeicher sind gefallen ebenso wie die Preise für Solarmodule. Auch die Finanzierbarkeit der Klimaneutralität wird besser. Die Energiewende funktioniert durch Veränderung des Energieträgers. Erste Unternehmen haben daher ihre Klimastrategie umgestellt auf den CO2-Praxispfad und damit gute Planungen und erste Erfahrungen gemacht. Dies zeigte Lüter an konkreten Beispielen von Mitgliedern der Initiative. Eigene Kapitel widmete er dem Einsatz von Wärmepumpen und Fernwärmelösungen. Sein Fazit Richtung Klimaneutralität: „Es geht voran! Weitermachen!“.
Ein Praxisbeispiel für Mieterstrom im Lieferkettenmodell wurde von Charlotte Pfaus vom Familienheim Karlsruhe gemeinsam mit Dr. Alexander Conreder von EnBW Immo+ präsentiert. Für ein Neubaugebiet mit Mehrfamilien- und Reihenhäusern, die mit Photovoltaikanlagen ausgestattet sind, haben sich die Bauherren dafür entschieden, den PV-Strom vor Ort nutzen zu lassen. Dies ist im Bereich der Mehrfamilienhäuser wesentlich komplexer als im Einfamilienhaus. „Deshalb haben wir das Lieferkettenmodell gewählt, bei dem wir die Vorteile des Mieterstroms mit einem geringen Verwaltungsaufwand und einem minimierten Risiko für die Genossenschaft haben“, so Pfaus. Der Partner EnBW Immo+ übernimmt die Stromversorgung mit allen Lieferantenpflichten und trägt den Aufwand und das Risiko der Reststrombeschaffung. „Die Mieterstromteilnehmenden sparen teils zehn bis 15 Prozent ihrer jährlichen Stromkosten im Vergleich zu marktüblichen Ökostromtarif“, erklärte Conreder. „Für alle eine sinnvolle Lösung“, fasste Pfaus abschließend zusammen.
Stroh und kalte Nahwärmenetze
Über einfaches, zirkuläres und kostengünstiges serielles Bauen mit Strohelementen berichtete Johnnes Fokken von der Werkstadt Fischer Architekten. Vorteile von Stroh: „Es ist regional verfügbar, bietet gute Dämmeigenschaften, enthält einen natürlichen Brandschutzhemmer und bietet eine perfekte Symbiose mit Holtragwerken“, betonte Fokken und zeigte die Einsatzfähigkeiten beim Bau. Diese reichen unter anderem vom Einsatz in der Dämmung und Schallschutzdämmung, der Dachkonstruktion sowie Innen- und Außenwänden. Die ersten fertigen Projekte sind 3 Geschosse hoch. Diverse Städtebauzeilen und Wohnungsgrößen lassen sich realisieren. Einfach und schnell errichtet, auch unter den Gesichtspunkten der sozialen Wohnraumförderung.
Als wirtschaftlich, skalierbar, zukunftssicher bewarb Paul Ngahan von der Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz Kalte Nahwärme. Als Wärmequellen für Kalte Nahwärmenetze kommen beispielsweise Erdsonden, Flächenkollektoren, Grund- sowie Fluss- und Abwasser in Frage aber auch Eisspeicher oder Abwärme. Beispielsweise im Ahrtal entstehen derzeit etliche Kalte Nahwärmenetze. Ngahan betonte: Die eigentliche Frage lautet nicht, ob die Transformation kommt, sondern wer sie strategisch nutzt.
Sein Kollege Holger Hebisch von der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg zeigte Beispiele, wo in Baden-Württemberg schon kalte Nahwärmenetze aufgebaut wurden: beispielsweise in Fischerbach mit einem Eisspeicher, aber auch in Gutach-Bleibach. Er zeigte, dass die Wärmeplanung in Baden-Württemberg schon deutlich weiter fortgeschritten ist als in anderen Flächenländern. Etwa 10 Prozent der bisherigen kommunalen Wärmepläne enthalten Maßnahmen zur kalten Nahwärme. Maßnahmenbeispiele präsentierte er für Bietigheim-Bissingen und Heidelberg. Hebisch wies darauf hin, dass für die Projektentwicklung von Quartieren derzeit eine Förderung von 90 Prozent erfolgt. Wichtig sei für die Zukunft die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren und Verwaltungsprozesse sowie die Beseitigung rechtlicher Hürden und eine Informations- und Qualifizierungsinitiative für kommunale Akteure und Fachkräfte.
Der Kongress endete mit viel Applaus und zufriedenen Organisatoren und Teilnehmern. Ein Dank gilt den Ausstellern, die die Veranstaltung begleitet und zahlreiche Fachgespräche geführt haben.
Der nächsten Klimagipfel findet am 25./26. Februar statt. Veranstaltungsort ist wieder das Bodenseeforum in Konstanz.
Bilder: Zwei Modul-Wärmepumpen waren vor dem Bodenseeforum zu besichtigen. Voller Saal bei den Vorträgen. Viele Partnerunternehmen haben die Veranstaltung unterstützt.
Bildrechte: vbw und VdW Bayern




