Zum Hauptinhalt springen

Sie haben als Mitglied noch keine Zugangsdaten für den Mitgliederbereich?

Dann registrieren Sie sich hier.

Registrieren

0711 16345-0

info@vbw-online.de

 

Anschrift

Herdweg 52/54
70174 Stuttgart
 

Öffnungszeiten

Montag - Freitag
8:30 - 12:00 Uhr

Montag - Donnerstag
13:00 - 17:00 Uhr

 

Zu den Ansprechpartnern

Baden-Badener Tage 2026: Wohnungswirtschaft im Wandel

Wie bleibt die Wohnungswirtschaft in Zeiten tiefgreifender Veränderungen handlungsfähig und wie kann sie den Wandel aktiv gestalten? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Baden-Badener Tage der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft am 23. und 24. September 2026. Zwei Tage lang ging es um wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Digitalisierung und KI, Quartiersentwicklung, Führung, Mobilität, Compliance und gesellschaftliche Veränderungen. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem Lösungswege, Erfahrungen aus der Praxis und der gemeinsame Blick nach vorn.

Zwischen Talsohle und Trendwende

Zum Auftakt richtete Dr. Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) den Blick auf die wirtschaftlichen Perspektiven des Wohnungsbaus. Unter dem Titel „Zwischen Talsohle und Trendwende“ ordnete er die aktuelle Lage auf den Wohnungs- und Immobilienmärkten ein. Angesichts des hohen Wohnraumbedarfs bleibt die Frage zentral, wie Investitionen erleichtert und insbesondere der Neubau von bezahlbarem Wohnraum gestärkt werden kann. Deutlich wurde: Die Wohnungswirtschaft braucht verlässliche Rahmenbedingungen und Perspektiven.

Digitalisierung: vom KI-Agenten bis zum Heizungskeller

Wie Digitalisierung den Unternehmensalltag verändern kann, zeigte eines der Themenforen. Dr.-Ing. Tobias Stahl vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und der Stabion GmbH i.G. stellte die Möglichkeiten von künstlicher Intelligenz und insbesondere von KI-Agenten vor. Sie können einzelne Aufgaben unterstützen und perspektivisch komplexere Abläufe begleiten. Voraussetzung sind geeignete Daten, klare Verantwortlichkeiten und die Akzeptanz der Mitarbeitenden.

Wie digitale Lösungen bereits heute messbare Ergebnisse erzielen können, zeigte Dénes Honus von der GWH Immobilien Holding GmbH und Systeno GmbH am Beispiel der digitalen Heizungsoptimierung. Nach mehreren Pilotprojekten entstand eine Lösung zur Überwachung und Optimierung von Wärmeerzeugungsanlagen. Eine Untersuchung von 59 Liegenschaften kam für die optimierten Anlagen auf eine durchschnittliche reale Energieeinsparung von 18,8 Prozent. Das Beispiel zeigte: Digitalisierung schafft Mehrwert, wenn aus Daten konkrete Verbesserungen für den Gebäudebetrieb entstehen.

Vom Veränderungsdruck zur Gestaltungsfähigkeit

Doch Technologie allein macht noch keine Transformation. Diesen Gedanken griff Sandra Balicki von der VISARIO Connect GmbH auf. Ihr Ansatz: Erfolgreiche Veränderung entsteht im Zusammenspiel von Technik, Organisation und Mensch. Technik eröffnet Möglichkeiten, Organisation schafft klare Prozesse und Verantwortlichkeiten und die Menschen entscheiden darüber, ob Neuerungen im Unternehmensalltag tatsächlich gelebt werden.

Deshalb reicht es nicht, neue Software oder KI-Anwendungen einzuführen. Unternehmen brauchen ein klares Zielbild, müssen Prozesse hinterfragen und Mitarbeitende frühzeitig einbeziehen. Das dialogorientierte Themenforum bot Raum, die Situation im eigenen Unternehmen zu reflektieren und Lösungsansätze gemeinsam zu diskutieren.

Krisenfest führen

Auch die Organisationen selbst standen im Fokus. Elke Nippold-Rothes, Trainerin und Executive Coach bei Nippold Partner, zeigte, was resiliente Organisationen auszeichnet und welche Rolle Führung dabei spielt. In Zeiten hoher Veränderungsdynamik gilt es, Orientierung zu geben, transparent zu kommunizieren und Mitarbeitende mitzunehmen. Resilienz bedeutet dabei nicht nur, Veränderungen auszuhalten, sondern Strukturen und Kompetenzen aufzubauen, die Unternehmen langfristig handlungsfähig halten.

Begegnung ermöglichen und Quartiere stärken

Wie Nachbarschaften auch bei begrenzten Ressourcen gestärkt werden können, stand im Mittelpunkt eines weiteren Themenforums.

Hans-Christian Holz von der STEG Stadtentwicklung GmbH zeigte anhand sogenannter „Dritter Orte“, wie Räume für Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe entstehen können. Bibliotheken, Bürgerzentren, Plätze oder Gemeinschaftsgärten können zu einem wichtigen Teil der sozialen Infrastruktur werden. Dafür braucht es nicht zwangsläufig große Budgets, sondern vor allem die Aktivierung vorhandener Potenziale und des lokalen Engagements.

Gregor Senne von Integrative Wohnformen e. V. rückte Kooperationen in den Mittelpunkt. Wohnungsunternehmen können sich stärker darauf konzentrieren, Netzwerke zu orchestrieren und Gemeinschaft zu ermöglichen. Unterschiedliche Partner bringen dabei Räume, Personal, Wissen, Netzwerke oder ehrenamtliches Engagement ein.

Gemeinsam mit den Perspektiven von Anja Kulik von der VOLKSWOHNUNG GmbH und Dr. Sven Fries von der Stadtberatung Dr. Sven Fries GmbH entstand ein facettenreiches Bild moderner Quartiersarbeit: Dauerhafte Wirkung entsteht vor allem dort, wo Wohnungswirtschaft, Kommunen, soziale Einrichtungen und die Menschen im Quartier gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Sicherheitspolitik: Blick über die Branchengrenzen

Der zweite Veranstaltungstag begann mit einem Perspektivwechsel. Oberstleutnant Heiko Friedrich vom Landeskommando Baden-Württemberg, Leiter des Kreisverbindungskommandos Baden-Baden und Beauftragter für die zivil-militärische Zusammenarbeit, beleuchtete die gesellschaftlichen Herausforderungen einer veränderten sicherheitspolitischen Lage. Sein Impuls lenkte den Blick über die unmittelbaren Branchenthemen hinaus auf die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit, Vorsorge und funktionierenden Strukturen für Wirtschaft und Gesellschaft.  

Mobilitätswende beginnt im Quartier

Prof. Dr. Sven Kesselring, Studiengangleiter „Sustainable Mobilities“ und Professor für Nachhaltige Mobilität mit Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Mobilitätsforschung an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), widmete sich anschließend der Frage, wie nachhaltige Mobilität auf lokaler Ebene gestaltet werden kann. Dabei wurde deutlich, dass die Mobilitätswende weit mehr ist als eine Frage neuer Verkehrsmittel und Antriebe. Neben Technik und Infrastruktur geht es vor allem um die Bedürfnisse der Menschen.

Bewohnerinnen und Bewohner sollten deshalb frühzeitig in die Entwicklung von Angeboten eingebunden werden. Mobilitätsstationen, die beispielsweise Carsharing, Fahrräder oder öffentliche Verkehrsmittel miteinander verbinden, können dabei ein Baustein sein. Wohnungswirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft sind gefragt, gemeinsam passende Lösungen für die jeweiligen Quartiere zu entwickeln.

Neue regulatorische Anforderungen im Blick

Ein weiteres Themenforum beschäftigte sich mit DORA, NIS-2 und EmpCo. Oliver Kulpanek und Paul Harter vom vbw zeigten auf, wie wichtig es für Wohnungsunternehmen angesichts der zunehmenden regulatorischen Vorgaben ist, die eigene Betroffenheit strukturiert zu prüfen. Anforderungen müssen bewertet, Entscheidungen nachvollziehbar dokumentiert und Entwicklungen regelmäßig neu betrachtet werden. Compliance wird damit zu einem kontinuierlichen Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Nach zwei intensiven Tagen bleiben viele Impulse für die eigene Arbeit und eine zentrale Erkenntnis: Zukunftsfähige Lösungen entstehen dort, wo Wissen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und Veränderungen gemeinsam gestaltet werden.

So unterschiedlich die Themen der beiden Tage waren, haben sie konkrete Lösungen und Ansätze aufgezeigt, wie die Wohnungswirtschaft unter sich verändernden Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben kann. Die Baden-Badener Tage bringen fachliche Expertise, Erfahrungen aus der Praxis und unterschiedliche Perspektiven zusammen. Vorträge, Themenforen, Fachausstellung und persönliche Gespräche boten Raum, voneinander zu lernen, neue Ansätze kennenzulernen und gemeinsam weiterzudenken.

Der vbw schafft als Verband der baden-württembergischen Wohnungswirtschaft die Plattform dafür: für Wissenstransfer, Vernetzung und den gemeinsamen Austausch über die Herausforderungen und Lösungen von morgen.

Save the Date: Baden-Badener Tage 2027

Die Baden-Badener Tage 2027 finden am 29. und 30. September 2027 statt. Merken Sie sich den Termin schon heute vor. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Baden-Baden!